Artikel Heusweiler Wochenpost 08.02.2023 zum Konzert des IRIDA-Trios

Es war ein fulminanter Auftakt der Konzertsaison 2023 der Aktion Kultur Heusweiler: zu verdanken ist er dem IRIDA Trio in der Besetzung Johanna Hempen (Violine), Oliver Léonard (Cello) und Alexander Baier (Klavier). Das Trio hatte erst im Oktober 2022 seine Debut-CD „Phoenix“ in der Elbphilharmonie in Hamburg vorgestellt. Der namensgebende Titel „Give me Phoenix Wings to fly“ der kanadischen Komponistin Marie-Kelly Murphy (1964) gab den jungen Musikern die glänzende Gelegenheit, mit bestechender technischer Brillanz, gepaart mit enormer Wandlungsfähigkeit des musikalischen Ausdrucks und jugendlich-sympathischem Auftritt die Zuhörer restlos zu begeistern. Und das für Skeptiker Erstaunliche dabei: auch die Moderne kann die Zuhörer in ihren Bann ziehen! Zuvor war das Klaviertrio in c-moll von Edouard Laló zu hören, sozusagen als schönes Geschenk zu seinem 200. Geburtstag (27. 1. 2023). Selten gespielt, war es umso erfreulicher zu erfahren, welche
musikalischen Kostbarkeiten im Verborgenen schlummern.
Nach der Pause stand Franz Schubert mit seinem großen Es-Dur-Trio auf dem Programm. In diesem meisterlichen Spätwerk Schuberts wurde sehr zupackend, mit großem Bogen der Streicher und fein nuanciertem Klavierspiel in den harmonischen Wechseln, abrupten Stimmungsbrüchen und expressiven lyrischen Passagen ein Spannungsbogen aufgebaut, der die Zuhörer bis zum Ende nicht mehr losließ. Ein riesiger Applaus war der angemessene Dank des Publikums an die jungen Musiker, die sich ihrerseits mit dem „Winter“ aus Astor Piazollas „Jahreszeiten“ bedankten.
Ein denkwürdiger Konzertabend, der nur zufriedene, ja glückliche Gesichter hinterließ bei den vielen Zuhörern, den Veranstaltern (Aktion Kultur Heusweiler, Richard-Wagner-Verband Saar, Gemeinde Heusweiler) und der Stiftung Europäische Kultur und Bildung, die das Konzert freundlich unterstützt hatte.

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Saarbrücker Zeitung vom 17.01.2023

Wenn Musik das Gehirn freipustet

Coronabedingt hat die Aktion Kultur Heusweiler ihr Konzept umgestellt, ihr Engagement beim Musikunterricht an Grundschulen ausgebaut – Konzerte gibt’s aber weiterhin

VON MARCO REUTHER, HEUSWEILER

Es geht ungebrochen weiter, allerdings mit Änderungen — und mit Verbesserungen: Die Programme der Aktion Kultur Heuswei1er wurden — wie die anderer Vereine auch — zuletzt durch die Pandemie etwas durcheinandergewirbelt. Das hat Auswirkungen auf die Schwerpunkte der Vereinsarbeit: Der Verein wird wohl in diesem Jahr weniger Konzerte ausrichten, dafür ist andererseits die Förderung der musikalischen Früherziehung an den drei Heusweiler Grundschul-Standorten weiter im Der Vereinsvorsitzende Günter Bost (79) und der künftige stellvertretende Vorsitzende Heiner Klein (72) schilderten bei einem Redaktionsgespräch die Änderungen. „Vor Corona” wurde der erweiterte Musikunterricht an den Grundschulen lediglich in zusätzlichen freiwilligen Arbeitsgemeinschaften angeboten, die aber während Corona praktisch nicht möglich waren. So ist inzwischen das Zusatz-Angebot fest im regulären Unterricht der Klassenstufen und drei verankert und von acht auf Wochenstunden ausgebaut worden, was nicht zuletzt dank erweiterter Förderung durch das Kultusministerium möglich geworden sei. Diese Stunden werden, zusammen mit den Klassenlehrern, von Musiklehrern übernommen: Svitlana Aldoshyna (Hochschule für Musik Saar), aus der Ukraine stammend, lehrt in zehn Klassen wöchentlich je eine Stunde „Musik mit allen Sinnen”, und Stephan Decker, Schlagzeuglehrer an der Musikschule Püttlingen, zeigt in Klassen je eine Stunde lang das „Trashdrumming“. Zur „Musik mit allen Sinnen” gehören neben dem Singen unter anderem Sprechen, Bewegung, Instrumentalspiel, insbesondere mit Orff-Instrumenten, und das Verknüpfen von Musik mit anderen Ausdrucksformen, etwa Malen, Szenisches Spiel oder Instrumentenbau. „Trashdrumming“, also Trommeln auf umgedrehten Regentonnen, „klingt erst mal merkwürdig”, formulierte es Decker in seinem schriftlichen Konzept; doch auch musikalisch unerfahrene Schüler könnten so schnell gewonnen werden, und „mit etwas Geduld und Ausdauer erzeugen die Schüler auf diesem Instrument mit seinen scheinbar bescheidenen klanglichen Möglichkeiten erstaunliche Rhythmen und musikalische Darbietungen. Ziele seien neben musikalischen Grundkenntnissen etwa auch Teambildung, Gruppenerlebnisse und das Wecken von Interesse an Musikinstrumenten. Man wolle, so Bost, auch die Konzerte für Eltern und Familien wieder aufleben lassen, um so die Eltern mit ins Boot zu nehmen. Für den Bereich Musikalische Grundausbildung war lange und mit großem Engagement der bisherige stellvertretende Vereinsvorsitzende Klaus Kleinefeld zuständig, der nun aber aus privaten Gründen kürzertreten musste. Als Nachfolger konnte Bost Dr. Klein gewinnen, der aus gleich mehreren Gründen „Überzeugungstäter“ ist: Zum einen erlebte er bei seinen Enkeln sowohl in Saarbrücken als auch in Heusweiler, wie sinnhaft musikalische Grundausbildung ist und wie viel Spaß sie Kindern macht. Zudem hatte der Mediziner, der auch heute noch als Betriebsarzt praktiziert, schon in seiner Dissertation beschrieben, wie sich Musik auf den Körper auswirkt. Bekannt sei unter anderem, dass durch das Erlernen musikalischer Fähigkeiten mehr Synapsen im Gehirn verknüpft, der Neuronenfluss gefördert und so etwa das Gedächtnis geschult wird. Klein spielt selbst Klavier und ist überzeugt, dass ihm die so früh in Fleisch und Blut übergegangene Fingerfertigkeit auch in seiner Zeit als Chirurg entsprechende Vorteile verschafft hatte. In Bezug zur musikalischen Frühförderung betont er auch: „Was man ab dem dritten Lebensjahr macht, ist unbedingt bildend für die Plastizität des Gehirns.” Svitlana Aldoshyna hat zur Bedeutung der „Musik mit allen Sinnen” im schriftlichen Konzept auch festgehalten: „Für Schülerinnen und Schüler ist es möglich, die Musik mit ihren Facetten spielerisch zu erleben, sich an musikalischen Aktivitäten zu beteiligen und das Eigene in die Gruppe einzubringen”, durch das musikalische Erleben in der Gruppe „werden musikalische, psychologische, motorische und soziale Fähigkeiten sowie die Persönlichkeit der Kinder entwickelt”. Was nun die Konzerte der Aktion Kultur Heusweiler betrifft: Im vorigen Jahr war auch das zehnte Jubiläum des Vereins, „und da haben wir uns wohl etwas übernommen“, räumt Bost ein; zudem gibt es verschiedene Unwägbarkeiten — etwa ob und wie Kirchen, in denen es bisher Konzerte gab, im Winter geheizt sind. Und der Veranstaltungsort am Holzer Wasserturm sei sehr schön gewesen, aber auch mit hohen Ausgaben und hohem organisatorischen Aufwand verbunden. Ob es zudem mit dem Heusweiler Kino als Veranstaltungsort weitergeht, dessen kulturell sehr engagierter Besitzer Leo Schönhofen kürzlich verstorben ist (die SZ berichtete), das sei noch vollkommen offen. So ist man nun gewissermaßen dabei, sich bei den Konzerten etwas neu aufzustellen. Das erste Konzert im neuen Jahr ist auch eigentlich noch ein „altes”, das voriges Jahr ausfallen musste. Dafür kann man sich nun am Sonntag, 29. Januar, um 17 Uhr im Heusweiler Rathausfestsaal auf das Irida-Trio freuen: Johanna Hempen (Violine), Oliver Léonard (Violoncello) und Alexander Baier (Klavier) spielen Werke von Kelly Marie Murphy, Éduardo Lalo und Franz Schubert. Weitere Konzerte, auch Freiluft-Konzerte, sollen aber auf jeden Fall folgen (siehe Info). Auch im Verein gibt es Umstrukturierungen, da der siebenköpfige Vorstand nicht mehr alles allein stemmen kann. Innerhalb eines erweiterten Vorstandes des auf inzwischen 110 Mitglieder angewachsenen Vereines haben sich bereits Mitstreiter gefunden, die projektbezogen helfen — und weitere seien sehr gern willkommen. Auch die Internetseite des Vereins konnte so kürzlich auf neue, professionellere Beine gestellt werden. Und da Heiner Klein begeisterter Fotograf und Filmer ist, gibt es jetzt auch Konzert-Mitschnitte, sodass sich jeder auf der Internetplattform Youtube — und über die Vereinshomepage dorthin geführt— selbst ein Bild von der Qualität der Konzerte machen kann.

Saarbrücker Zeitung vom 13.07.2022

Ein Antreiber der Musikszene

Riegelsberg/Heusweiler Michael Manthey sorgt für Auftritte meist heimischer Bands und rührt die Werbetrommel für Konzerte. Von Andreas Engel

Eine gute Musikszene wertet jeden Ort auf. Und dafür sind – natürlich – Musiker und Veranstaltungsorte vonnöten. Darüber hinaus braucht man aber auch „Kümmerer“, die zum Beispiel die Werbetrommel rühren und sich für die Szene einsetzen. Es gibt eigentlich gar keinen richtigen Begriff für das, was Michael Manthey so alles unternimmt. Der 69-Jährige kümmert sich etwa um Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungsplakate, Flyer, Kontakte zu Musikerinnen und Musikern. Er kennt die größeren und kleineren Bühnen in der Region sowie deren Betreiber. Man könnte Manthey als Mittelsmann zwischen den Musikfans und den Künstlern bezeichnen, als Medium. Manthey kommt ursprünglich aus einer ganz anderen akademischen Ecke. Er studierte Wirtschaftswissenschaften mit dem Abschluss Diplomhandelslehrer. „Den Lehrerberuf habe ich jedoch nie ausgeübt. – Das war besser für die Schüler und besser auch für mich. Meine Geduld ist nur von begrenzter Natur,“ sagt er heute dazu. Es zog den jungen Manthey zum Journalismus. Er volontierte beim Saarländischen Rundfunk (SR). Von 1981 bis 1993 arbeitete er als „Fester Freier“ mit dem Themenschwerpunkt Umwelt, war in Hörfunk und Fernsehen unterwegs. Im Radio kam er auch als Musikprogrammgestalter zum Einsatz. Und berichtete immer öfter von Konzerten. 1994 folgte der Wechsel in die Wirtschaft, als Öffentlichkeitsarbeiter zum Unternehmen SOTEC, der damaligen „Abfalltochter“ der Saarbergwerke AG. 1984 war Manthey aber auch Gründungsmitglied des Kulturvereins Riegelsberg. „Einige Leute waren damals der Meinung, darunter auch ich, dass es für die 30- und 40 jährigen Menschen keine bis zu wenige Kulturangebote in der Gemeinde gab“, erinnert sich der umtriebige Musikfreund. „Nur das Übliche, mehr oder weniger verstaubte, in Ehren ergraute Vereine. Das musste sich ändern.“ In den Jahren danach habe sich herausgestellt, „das war der richtige Weg. Der Riegelsberger Kulturverein war eine Erfolgsgeschichte“. Manthey fungierte zunächst als Pressereferent, später auch als Vorsitzender. Bis zu 40 Veranstaltungen pro Jahr hatten die Mitglieder des Kulturvereins Riegelsberg organisiert. Aber, so bilanziert der Impressario, „nach über 30 Jahren war die Luft raus. Ich wollte mich kulturell zur Ruhe setzen.“ Doch dann kam ihm Jochem Franken in die Quere mit seiner Musikkneipe „Jochems Kneipe“ in Riegelsberg. Seit Jahrzehnten Anlaufstelle für Blues-, Rock-, Singer-Song-Writer- und Kabarettfans. Bis zur Corona-Zeit bastelten Manthey und Franken an Programmen. Nach der Corona-Zäsur mit Kneipenschließungen und abgesagten Konzerten wollte Manthey, inzwischen im Rentenalter, wieder Schluss machen. Aber der Ruhestand wurde wieder verschoben. In diesem Fall war der Vorsitzende der Aktion Kultur Heusweiler, Günter Bost, „schuld“. Bost bat den erfahrenen Manthey, eine Konzertreihe im Sommerprogramm für die Aktion Kultur Heusweiler zu gestalten. Dieses Programm läuft gerade an neuer Spielstätte am Holzer Wasserturm. „Mal sehen, wie es läuft“, meint Manthey. Für ihn sei das eine große Chance, denn er könne das Programm nach seinem eigenen Geschmack kreieren. Und hierbei lässt er sich von den Prinzipien leiten, die ihm über Jahrzehnte wichtig waren: Es müsse regional und lokal zugehen. Anspruchsvoll und nicht abgehoben. Keine Coverbands, die versuchen, die großen Vorbilder zu kopieren. Bands mit eigenen Interpretationen und eigenen Arrangements bekommen den Vorzug. „Ich will eine Bühne, vorwiegend für saarländische Musiker, keine für durchreisende Künstler“ – auch als Unterstützung für die heimische Szene. Und wenn’s am Wasserturm läuft, „vielleicht oder bestimmt wird dann der Ruhestand weiter nach hinten verschoben“.

Saarbrücker Zeitung vom 15.07.2021

Musikgenuss am Holzer Wasserturm Aktion Kultur Heusweiler und Richard-Wagner-Verband sorgen für sommerliches Vergnügen auf hohem Niveau. Das Holzbläserensemble der Hochschule für Musik Saar trat am vergangenen Sonntag in Holz auf. FOTO: ANDREAS ENGEL VON ANDREAS ENGEL HEUSWEILER-HOLZ – Charles Gounod und Felix Mendelssohn Bartholdy waren als Komponisten mit eingeladen zur Matinee der Aktion Kultur Heusweiler und des Richard-Wagner-Verbandes Saarland am Wasserturm in Holz. Beim ersten Konzert nach der coronabedingten Konzertpause versuchte Dauerregen, den Musikfreunden den Genuss und die Laune beim Auftritt des Blechbläserensembles der Hochschule für Musik Saar (HfM) zu verderben, was nicht gelang. Am letzten Sonntag nun, beim Auftritt des Holzbläserensembles der HfM, klappte es mit dem Wetter, sodass die gut 100 Gäste hervorragende Musik des international besetzten Studierenden-Ensembles diesmal ohne nasse Füße und Schirme genießen konnten. Mit dem ersten und vierten Satz der „Petite Symphonie” in B-Dur für Bläser von Charles Gounod (1818 bis 1893) stimmten die zehn Studierenden der HfM das Publikum ein. Gounod komponierte das kammermusikalische Werk 1885 auf Wunsch eines Pariser Bläserensembles, der Société de musique pour instruments à vent. „Die kleine Symphonie” für Flöte und Paare von Oboen, Klarinetten, Hörnern und Fagotten wurde erstmals im April 1885 in Paris aufgeführt. Aber erst 1904 wurde die Partitur veröffentlicht. Der französische Künstler Gounod schrieb zahllose Opern, Messen, Schauspielmusik, Kantaten und Orchesterwerke, darunter auch die Hymne des Vatikanstaates. Das musikalische Hauptthema des Vormittags war jedoch eine Suite aus Felix Mendelssohn Bartholdys „Ein Sommernachtstraum” Opus 61, eingerichtet für Bläser von Andreas Tarkmann. Die Musik zu William Shakespeares Komödie „Sommernachtstraum” gehört zu den beliebtesten und meistgespielten Werken des genialen, aber leider früh verstorbenen Komponisten Mendelssohn Bartholdy, er lebte von 1809 bis 1847, und hat insbesondere durch den „Hochzeitsmarsch ” weltweite Berühmtheit erlangt. Der Leiter des HN-Ensembles, Guilhaume Santana, erläuterte kurz die Geschichte der Bläserensembles. Zur Zeit Mozarts war diese Besetzung sehr beliebt, denn die Musiker traten auch außerhalb der Konzertsäle auf und brachten somit Opernmusik unters „einfache “Volk, das sich Konzertbesuche nicht leisten konnte. Wolfgang Schug, Vorsitzender der Richard-Wagner-Verbandes Saar, lobte die Kooperation mit der Aktion Kultur Heusweiler. Er nannte den Vorsitzenden der Aktion Heusweiler, Günter Bost, einen „Brückenbauer zwischen dem Verein in Heusweiler, des Richard-Wagner-Verbandes und der Hochschule für Musik Saar”, ganz im Sinne der Kunst.

Saarbrücker Zeitung vom 04.07.2021

Comeback der jungen HfM-Blechbläser nach 16 Monaten Corona-Abstinenz am Wasserturm in Heusweiler-Holz. VON MARCO REUTHER HEUSWEILER „Die Bläser waren ja mit den Sängern — die gefährlichsten Menschen”, sagt, ironisch gemeint, Jochen Lorenz. Schließlich werden die Blechbläser in Corona-Zeiten argwöhnisch beäugt, weil vorne aus Trompete & Co. neben den Tönen womöglich auch mit Viren belastete Aerosole entweichen. Jochen Lorenz unterrichtet Trompete und Fachdidaktik an der Hochschule für Musik Saar (HM) in Saarbrücken, leitet dort auch das große Blechbläser-Ensemble. Größere Auftritte, wie sie für die Ausbildung wichtig sind, waren etwa 16 Monate lang nicht möglich, die Stimmung im Ensemble war in dieser Hinsicht ein ganz tiefes düsteres Moll — bis zu diesem Sonntagvormittag: Zwölf Studierende kamen mit ihrem „Blech” zum Wasserturm im Heusweiler Ortsteil Holz, um eine Matinee zu spielen. Da passte das Eröffnungs-Stück des Konzertes sehr gut, denn mit „The Arrival of the Queen of Sheba” („Die Ankunft der Königin von Sheba”) hat Komponist Georg Friedrich Händel ein fröhliches, optimistisches Stück geschaffen, das in Holz umso kraftvoller wirkte, weil es gleich von zehn Blechbläsern vorgetragen wurde, die ihre Aufgabe auch ausgezeichnet „händelten”. Es war jedenfalls — und das würde sicher jeder aus dem Publikum bestätigen — eine Freude, mit welcher Konzentration und mit welchem Können alle Stücke dieses Vormittags gespielt wurden. Und das unter erschwerten Bedingungen, denn was als Open-Air-Konzert auf dem ehemaligen Bergwerksgelände mit historischem Gebäudebestand gedacht war, das musste wegen fast ununterbrochen strömenden Dauerregens in eine Art große, nach einer Seite offenen Scheune verlegt werde. Die Freude, endlich wieder in großer Besetzung vor Publikum spielen zu dürfen, merkte man den jungen Leuten dennoch an. Dass das Konzert eine große Bandbreite hatte, zeigte sich schon am Titel „Von königlichen Fanfaren und der Katzenmusik … ” — „Katzenmusik” deshalb, weil auch „Brass Cats” von Chris Hazell dazugehörte: Der Komponist hat in dem Stück, das als ein Schlüsselwerk für Blechbläser gilt, seine vier Katzen porträtiert. Offenbar vier schwierige Charaktere, denn es ist, wie auch die anderen Stücke, nicht einfach zu spielen: „Anstrengend ist das Programm — das hat sich gewaschen”, sagt Lorenz. Wie wichtig solche Konzerte („die sind Gold wert”) für die jungen Musiker seien, das habe auch Corona bestätigt, denn die fehlende Praxis, „die merkt man schon”, trotz fleißigem Üben. Nach dem Konzert konnten wir mit vier der jungen Musiker reden und ernteten auf die Frage, ob die lange Konzert-Abstinenz auch mal daran denken ließ, vielleicht doch nicht Berufsmusiker zu werden, vier Mal heftiges Kopfschütteln und vier deutliche „Nein” , und Rosa Benz erklärt: „Den Ehrgeiz legt man ja nicht mal so eben von heute auf morgen ab.” Zumal, ergänzt Timo Seewald, alle Musikstudierenden ja schon etliche Jahre vor dem Studium zur Musik gefunden haben, die Liebe zur Musik also sicher keine Eintagsfliege ist. Der Neustart, so Rosa Benz — die anderen bestätigen es — sei vom Gefühl her „ein Mix aus Nervosität und Vorfreude” gewesen. Und was bedeutet es ihnen, nun

wieder in großer Besetzung vor Publikum spielen zu können, statt — was viele getan hatten — Musik übers Internet zu streamen? „Das ist nicht zu vergleichen. Der Kontakt mit dem Publikum ist live natürlich viel intensiver — man spürt das Publikum”, sagt Marcus Müller. Es beeinflusse auch die eigene Gefühlslage, schildert Sophie Rüth, dass da etwas vom Publikum zurückkommt, „man spielt tatsächlich mit mehr Gefühl”. Und natürlich, so Timo Seewald, gebe es Live-Erlebnisse, die man bei Internet-Konzerten nie hat, etwa jetzt beim Konzert in Holz der Dauerregen im Hintergrund, „der hat doch gut zu ,Greensleeves’, zu der melancholischen Stimmung gepasst.” Der etwa 400 Jahre alte englische Klassiker war das vierte Stück im Programm. Einen beruflichen Plan B jedenfalls, da sind sich alle einig, habe wegen der Pandemie keiner von ihnen. Dass das Ensemble mit Schwung bei der Sache ist, zeigte sich auch im letzten Stück, „Ein Londoner in New York” von Jim Parker. Ein Teil des Stücks widmet sich dem Grand-Central-Bahnhof, und es war eine Riesenfreude, als vier Trompeten, vier Posaunen, ein Horn und eine ma eine Eisenbahn auf wilder Fahrt durch die Scheune am Holzer Wasserturm schickten. Lorenz, auch Dirigent der Matinee, zeigte sich hocherfreut, dass seine Studierenden ihr Comeback „so positiv-offensiv angepackt haben, da hat man gemerkt: Die haben so richtig Bock, die haben Lust aufs Spielen. ” Keiner habe sich vom hohen Standard der HfM schrecken lassen, auch wenn man im Vorfeld des Konzertes nur sechs Mal gemeinsam proben konnte, „das war ‘n bisschen sportlich, aber es ist super gelaufen”. So ist Lorenz nicht zuletzt der „Aktion Kultur Heusweiler” dankbar, denn die hat, zusammen mit dem Richard-Wagner-Verband Saar — den Auftritt möglich gemacht. Und es war bei weitem nicht das erste Mal, dass die Aktion Kultur Nachwuchs-Musiker durch Auftrittsmöglichkeiten fördert, denn das gehört zu ihren ausdrücklichen Zielen. So sei es jetzt auch darum gegangen, schildert der Vereins-Vorsitzende Günter Bost, den Musikstudierenden schnellstmöglich wieder Auftrittsmöglichkeiten anbieten zu können, zumal im Bereich der klassischen Musik, die insgesamt wieder mehr Beachtung vertragen könne. Daher seien die Konzerte natürlich nicht nur eine Förderung für die Studierenden, sondern auch ein Angebot „für alle Klassik-Willigen”. Kommendes Jahr darf man sich auf besonders viele Konzerte der HfM Saar freuen, denn dann wird sie 75 Jahre alt. Das nächste Konzert der Aktion Kultur, Sonntag, II. Juli, ist schon ausgebucht. Die Gäste sollten frühzeitig da sein. www.hfm.saarland.de www.aktion-kultur-heusweiler.de www.jochenlorenz.com

INFO Was im Konzert gespielt wurde

„The Arrival of the Queen Sheba” (Der Einzug der Königin von Saba”) von Georg Friedrich Händel (aus dem Oratorium „Solomon”, Premiere: 1749).

„Sonata Pian’e Forte” von Giovanni Gabrieli. Das Werk von 1597 gilt als ein Wegbereiter der Instrumentalmusik.

„4 Brass Cats” von Chris Hazell, der darin seine vier Katzen porträtiert, gilt als ein Schlüsselwerk für Blechbläser. Hazell schrieb es für das 1951 gegründete „Philip Jones Brass Ensemble”, das erste echte Blechbläser-Ensemble.

„Greensleeves”, eines der wohl populärsten englischen Lieder, das aus dem Elisabethanischen Zeitalter stammt und in unzähligen Variationen sogar als Rock-Version Verbreitung fand.

„A Londonerin New York” von Jim Parker, ein musikalisches Porträt der Stadt New York.

Saarbrücker Zeitung vom 03.01.2019

Musik als das gewisse Extra Die Aktion Kultur Heusweiler verstärkt ihre Förderung zusätzlicher Musikstunden an den Heusweiler Grundschulen. VON MARCO REUTHER HEUSWEILER „Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu bereiten", lautete eine Erkenntnis des griechische Philosophen Aristoteles vor über 2300 Jahren. So gesehen ist die Aktion Kultur Heusweiler auch ausgezogen, um Freude in die Welt zu tragen, und das nicht nur mit den Konzerten, die sie jedes Jahr organisiert, sondern vor allem auch mit ihrem Engagement für die Musikalische Grundausbildung an den drei Heusweiler Grundschul-Standorten. Und dieses Engagement hat die Aktion Kultur nun auf ganz neue, noch kräftigere Beine gestellt, schilderte der Vereinsvorsitzende Günter Bost gestern im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. 2013 hatte der Verein mit seinen zusätzlichen Musikstunden begonnen, die einmal wöchentlich in den Ortsteilen Holz, Eiweiler und Heusweiler in den Klassenstufen zwei und drei angeboten werden — auf freiwilliger Basis. „Aber in Eiweiler machen die beiden Klassen komplett mit", freut sich Bost. An den beiden anderen Schulen besuchen je 15 bis 25 Kinder die Kurse, zu denen neben Singen zum Beispiel auch rhythmische Bewegungen, Tanz und das Kennenlernen von Instrumenten gehören. Bisher leitete Musikpädagogin und Violinistin Tamara Meschwelischwili alle sechs Kurse. Künftig wird sie sich auf Eiweiler konzentrieren, dafür sind nun, nicht zuletzt dank guter Verbindungen Bosts zur Hochschule für Musik Saar (HfM), zwei weitere Musikpädagoginnen, Günter Bost FOTO: ANDREAS ENGEL die auch ausgebildete Instrumental-Musikerinnen sind, dazugestoßen: für Heusweiler Adriana Muel1er-BaIdo, für Holz Lulu Yang, die vor ihren Abschlüssen in Deutschland schon in China Musik studiert hatte. Weiterhin mit dabei ist Musikpädagogin Miriam Gehring für die zusätzliche, im vorigen Schuljahr gegründete Chor-AG in Holz. Neu dazugestoßen ist Stephan Decker, der an der Musikschule Püttlingen Lehrer für Schlagzeug und Percussion ist. Dass auch ein Instrumental-Lehrer mitmacht, liegt an einer weiteren Umstellung: Künftig läuft die Musikalische Grundausbildung nur noch im zweiten Schuljahr, während das dritte Schuljahr einer gewissen Spezialisierung auf Instrumente, vielleicht auch dem Vorbereiten eines Musicals, vorbehalten ist. So gibt Schlagzeuglehrer Decker an der Grundschule Holz einen sogenannten Trashdrumming-Kurs, „das macht den Kindern Riesenspaß", schildert Bost, „ist aber auch sehr anstrengend und erfordert hohe Konzentration". Doch nicht nur die Kinder machen mit; Bost: „Wir haben das Glück, dass die Schulleitungen, Lehrer und Fördervereine dahinterstehen — ohne ginge es auch gar nicht." Auch die Finanzierung der jährlich benötigten 10.000 bis 12.000 Euro steht jetzt auf sichereren Beinen und entlastet die Aktion Kultur Heusweiler: Etwa die Hälfte wird über das Kultusministerium zugeschossen, die andere Hälfte tragen zu gleichen Teilen die Gemeinde Heusweiler, die Schulfördervereine und die Aktion Kultur Heusweiler. Der gewissermaßen geistige Vater der Musikalischen Grundausbildung in Heusweiler ist Professor Michael Dartsch, an der HfM auch Leiter des Studiengangs „Elementare Musikpädagogik". Das Projekt in Heusweiler, so hatte es Dartsch bei dessen Einführung beschrieben, solle auch einen Beitrag zur Bildung der Kinder leisten und ihnen „neue Möglichkeiten erschließen". — Und vielleicht wird es dann ja auch was mit Aristoteles und der Freude.