Heusweiler Wochenpost 08.02.2023 – Konzert des IRIDA-Trios

Es war ein fulminanter Auftakt der Konzertsaison 2023 der Aktion Kultur Heusweiler: zu verdanken ist er dem IRIDA Trio in der Besetzung Johanna Hempen (Violine), Oliver Léonard (Cello) und Alexander Baier (Klavier). Das Trio hatte erst im Oktober 2022 seine Debut-CD „Phoenix“ in der Elbphilharmonie in Hamburg vorgestellt. Der namensgebende Titel „Give me Phoenix Wings to fly“ der kanadischen Komponistin Marie-Kelly Murphy (1964) gab den jungen Musikern die glänzende Gelegenheit, mit bestechender technischer Brillanz, gepaart mit enormer Wandlungsfähigkeit des musikalischen Ausdrucks und jugendlich-sympathischem Auftritt die Zuhörer restlos zu begeistern. Und das für Skeptiker Erstaunliche dabei: auch die Moderne kann die Zuhörer in ihren Bann ziehen! Zuvor war das Klaviertrio in c-moll von Edouard Laló zu hören, sozusagen als schönes Geschenk zu seinem 200. Geburtstag (27. 1. 2023). Selten gespielt, war es umso erfreulicher zu erfahren, welche
musikalischen Kostbarkeiten im Verborgenen schlummern.
Nach der Pause stand Franz Schubert mit seinem großen Es-Dur-Trio auf dem Programm. In diesem meisterlichen Spätwerk Schuberts wurde sehr zupackend, mit großem Bogen der Streicher und fein nuanciertem Klavierspiel in den harmonischen Wechseln, abrupten Stimmungsbrüchen und expressiven lyrischen Passagen ein Spannungsbogen aufgebaut, der die Zuhörer bis zum Ende nicht mehr losließ. Ein riesiger Applaus war der angemessene Dank des Publikums an die jungen Musiker, die sich ihrerseits mit dem „Winter“ aus Astor Piazollas „Jahreszeiten“ bedankten.
Ein denkwürdiger Konzertabend, der nur zufriedene, ja glückliche Gesichter hinterließ bei den vielen Zuhörern, den Veranstaltern (Aktion Kultur Heusweiler, Richard-Wagner-Verband Saar, Gemeinde Heusweiler) und der Stiftung Europäische Kultur und Bildung, die das Konzert freundlich unterstützt hatte.

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Saarbrücker Zeitung vom 17.01.2023 – Wenn Musik das Gehirn freipustet

Coronabedingt hat die Aktion Kultur Heusweiler ihr Konzept umgestellt, ihr Engagement beim Musikunterricht an Grundschulen ausgebaut – Konzerte gibt’s aber weiterhin

VON MARCO REUTHER, HEUSWEILER

Es geht ungebrochen weiter, allerdings mit Änderungen — und mit Verbesserungen: Die Programme der Aktion Kultur Heusweiler wurden — wie die anderer Vereine auch — zuletzt durch die Pandemie etwas durcheinandergewirbelt. Das hat Auswirkungen auf die Schwerpunkte der Vereinsarbeit: Der Verein wird wohl in diesem Jahr weniger Konzerte ausrichten, dafür ist andererseits die Förderung der musikalischen Früherziehung an den drei Heusweiler Grundschul-Standorten weiter im Der Vereinsvorsitzende Günter Bost (79) und der künftige stellvertretende Vorsitzende Heiner Klein (72) schilderten bei einem Redaktionsgespräch die Änderungen. „Vor Corona” wurde der erweiterte Musikunterricht an den Grundschulen lediglich in zusätzlichen freiwilligen Arbeitsgemeinschaften angeboten, die aber während Corona praktisch nicht möglich waren. So ist inzwischen das Zusatz-Angebot fest im regulären Unterricht der Klassenstufen und drei verankert und von acht auf Wochenstunden ausgebaut worden, was nicht zuletzt dank erweiterter Förderung durch das Kultusministerium möglich geworden sei. Diese Stunden werden, zusammen mit den Klassenlehrern, von Musiklehrern übernommen: Svitlana Aldoshyna (Hochschule für Musik Saar), aus der Ukraine stammend, lehrt in zehn Klassen wöchentlich je eine Stunde „Musik mit allen Sinnen”, und Stephan Decker, Schlagzeuglehrer an der Musikschule Püttlingen, zeigt in Klassen je eine Stunde lang das „Trashdrumming“. Zur „Musik mit allen Sinnen” gehören neben dem Singen unter anderem Sprechen, Bewegung, Instrumentalspiel, insbesondere mit Orff-Instrumenten, und das Verknüpfen von Musik mit anderen Ausdrucksformen, etwa Malen, Szenisches Spiel oder Instrumentenbau. „Trashdrumming“, also Trommeln auf umgedrehten Regentonnen, „klingt erst mal merkwürdig”, formulierte es Decker in seinem schriftlichen Konzept; doch auch musikalisch unerfahrene Schüler könnten so schnell gewonnen werden, und „mit etwas Geduld und Ausdauer erzeugen die Schüler auf diesem Instrument mit seinen scheinbar bescheidenen klanglichen Möglichkeiten erstaunliche Rhythmen und musikalische Darbietungen. Ziele seien neben musikalischen Grundkenntnissen etwa auch Teambildung, Gruppenerlebnisse und das Wecken von Interesse an Musikinstrumenten. Man wolle, so Bost, auch die Konzerte für Eltern und Familien wieder aufleben lassen, um so die Eltern mit ins Boot zu nehmen. Für den Bereich Musikalische Grundausbildung war lange und mit großem Engagement der bisherige stellvertretende Vereinsvorsitzende Klaus Kleinefeld zuständig, der nun aber aus privaten Gründen kürzertreten musste. Als Nachfolger konnte Bost Dr. Klein gewinnen, der aus gleich mehreren Gründen „Überzeugungstäter“ ist: Zum einen erlebte er bei seinen Enkeln sowohl in Saarbrücken als auch in Heusweiler, wie sinnhaft musikalische Grundausbildung ist und wie viel Spaß sie Kindern macht. Zudem hatte der Mediziner, der auch heute noch als Betriebsarzt praktiziert, schon in seiner Dissertation beschrieben, wie sich Musik auf den Körper auswirkt. Bekannt sei unter anderem, dass durch das Erlernen musikalischer Fähigkeiten mehr Synapsen im Gehirn verknüpft, der Neuronenfluss gefördert und so etwa das Gedächtnis geschult wird. Klein spielt selbst Klavier und ist überzeugt, dass ihm die so früh in Fleisch und Blut übergegangene Fingerfertigkeit auch in seiner Zeit als Chirurg entsprechende Vorteile verschafft hatte. In Bezug zur musikalischen Frühförderung betont er auch: „Was man ab dem dritten Lebensjahr macht, ist unbedingt bildend für die Plastizität des Gehirns.” Svitlana Aldoshyna hat zur Bedeutung der „Musik mit allen Sinnen” im schriftlichen Konzept auch festgehalten: „Für Schülerinnen und Schüler ist es möglich, die Musik mit ihren Facetten spielerisch zu erleben, sich an musikalischen Aktivitäten zu beteiligen und das Eigene in die Gruppe einzubringen”, durch das musikalische Erleben in der Gruppe „werden musikalische, psychologische, motorische und soziale Fähigkeiten sowie die Persönlichkeit der Kinder entwickelt”. Was nun die Konzerte der Aktion Kultur Heusweiler betrifft: Im vorigen Jahr war auch das zehnte Jubiläum des Vereins, „und da haben wir uns wohl etwas übernommen“, räumt Bost ein; zudem gibt es verschiedene Unwägbarkeiten — etwa ob und wie Kirchen, in denen es bisher Konzerte gab, im Winter geheizt sind. Und der Veranstaltungsort am Holzer Wasserturm sei sehr schön gewesen, aber auch mit hohen Ausgaben und hohem organisatorischen Aufwand verbunden. Ob es zudem mit dem Heusweiler Kino als Veranstaltungsort weitergeht, dessen kulturell sehr engagierter Besitzer Leo Schönhofen kürzlich verstorben ist (die SZ berichtete), das sei noch vollkommen offen. So ist man nun gewissermaßen dabei, sich bei den Konzerten etwas neu aufzustellen. Das erste Konzert im neuen Jahr ist auch eigentlich noch ein „altes”, das voriges Jahr ausfallen musste. Dafür kann man sich nun am Sonntag, 29. Januar, um 17 Uhr im Heusweiler Rathausfestsaal auf das Irida-Trio freuen: Johanna Hempen (Violine), Oliver Léonard (Violoncello) und Alexander Baier (Klavier) spielen Werke von Kelly Marie Murphy, Éduardo Lalo und Franz Schubert. Weitere Konzerte, auch Freiluft-Konzerte, sollen aber auf jeden Fall folgen (siehe Info). Auch im Verein gibt es Umstrukturierungen, da der siebenköpfige Vorstand nicht mehr alles allein stemmen kann. Innerhalb eines erweiterten Vorstandes des auf inzwischen 110 Mitglieder angewachsenen Vereines haben sich bereits Mitstreiter gefunden, die projektbezogen helfen — und weitere seien sehr gern willkommen. Auch die Internetseite des Vereins konnte so kürzlich auf neue, professionellere Beine gestellt werden. Und da Heiner Klein begeisterter Fotograf und Filmer ist, gibt es jetzt auch Konzert-Mitschnitte, sodass sich jeder auf der Internetplattform Youtube — und über die Vereinshomepage dorthin geführt— selbst ein Bild von der Qualität der Konzerte machen kann.

Saarbrücker Zeitung vom 13.07.2022 – Ein Antreiber der Musikszene

Riegelsberg/Heusweiler Michael Manthey sorgt für Auftritte meist heimischer Bands und rührt die Werbetrommel für Konzerte. Von Andreas Engel

Eine gute Musikszene wertet jeden Ort auf. Und dafür sind – natürlich – Musiker und Veranstaltungsorte vonnöten. Darüber hinaus braucht man aber auch „Kümmerer“, die zum Beispiel die Werbetrommel rühren und sich für die Szene einsetzen. Es gibt eigentlich gar keinen richtigen Begriff für das, was Michael Manthey so alles unternimmt. Der 69-Jährige kümmert sich etwa um Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungsplakate, Flyer, Kontakte zu Musikerinnen und Musikern. Er kennt die größeren und kleineren Bühnen in der Region sowie deren Betreiber. Man könnte Manthey als Mittelsmann zwischen den Musikfans und den Künstlern bezeichnen, als Medium. Manthey kommt ursprünglich aus einer ganz anderen akademischen Ecke. Er studierte Wirtschaftswissenschaften mit dem Abschluss Diplomhandelslehrer. „Den Lehrerberuf habe ich jedoch nie ausgeübt. – Das war besser für die Schüler und besser auch für mich. Meine Geduld ist nur von begrenzter Natur,“ sagt er heute dazu. Es zog den jungen Manthey zum Journalismus. Er volontierte beim Saarländischen Rundfunk (SR). Von 1981 bis 1993 arbeitete er als „Fester Freier“ mit dem Themenschwerpunkt Umwelt, war in Hörfunk und Fernsehen unterwegs. Im Radio kam er auch als Musikprogrammgestalter zum Einsatz. Und berichtete immer öfter von Konzerten. 1994 folgte der Wechsel in die Wirtschaft, als Öffentlichkeitsarbeiter zum Unternehmen SOTEC, der damaligen „Abfalltochter“ der Saarbergwerke AG. 1984 war Manthey aber auch Gründungsmitglied des Kulturvereins Riegelsberg. „Einige Leute waren damals der Meinung, darunter auch ich, dass es für die 30- und 40 jährigen Menschen keine bis zu wenige Kulturangebote in der Gemeinde gab“, erinnert sich der umtriebige Musikfreund. „Nur das Übliche, mehr oder weniger verstaubte, in Ehren ergraute Vereine. Das musste sich ändern.“ In den Jahren danach habe sich herausgestellt, „das war der richtige Weg. Der Riegelsberger Kulturverein war eine Erfolgsgeschichte“. Manthey fungierte zunächst als Pressereferent, später auch als Vorsitzender. Bis zu 40 Veranstaltungen pro Jahr hatten die Mitglieder des Kulturvereins Riegelsberg organisiert. Aber, so bilanziert der Impressario, „nach über 30 Jahren war die Luft raus. Ich wollte mich kulturell zur Ruhe setzen.“ Doch dann kam ihm Jochem Franken in die Quere mit seiner Musikkneipe „Jochems Kneipe“ in Riegelsberg. Seit Jahrzehnten Anlaufstelle für Blues-, Rock-, Singer-Song-Writer- und Kabarettfans. Bis zur Corona-Zeit bastelten Manthey und Franken an Programmen. Nach der Corona-Zäsur mit Kneipenschließungen und abgesagten Konzerten wollte Manthey, inzwischen im Rentenalter, wieder Schluss machen. Aber der Ruhestand wurde wieder verschoben. In diesem Fall war der Vorsitzende der Aktion Kultur Heusweiler, Günter Bost, „schuld“. Bost bat den erfahrenen Manthey, eine Konzertreihe im Sommerprogramm für die Aktion Kultur Heusweiler zu gestalten. Dieses Programm läuft gerade an neuer Spielstätte am Holzer Wasserturm. „Mal sehen, wie es läuft“, meint Manthey. Für ihn sei das eine große Chance, denn er könne das Programm nach seinem eigenen Geschmack kreieren. Und hierbei lässt er sich von den Prinzipien leiten, die ihm über Jahrzehnte wichtig waren: Es müsse regional und lokal zugehen. Anspruchsvoll und nicht abgehoben. Keine Coverbands, die versuchen, die großen Vorbilder zu kopieren. Bands mit eigenen Interpretationen und eigenen Arrangements bekommen den Vorzug. „Ich will eine Bühne, vorwiegend für saarländische Musiker, keine für durchreisende Künstler“ – auch als Unterstützung für die heimische Szene. Und wenn’s am Wasserturm läuft, „vielleicht oder bestimmt wird dann der Ruhestand weiter nach hinten verschoben“.